Nummer 5 lebt
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Modding - Stage II
Nach hoffentlich erfolgreichem Abschluss der ersten Umbauphase
wird es nun Zeit den Kleinen in die Pubertät zu begleiten
und wie diese so ist, bringt die Pubertät eine grosse
Veränderung mit sich: die Kleinen werden unbeugsamer
und die Stimme rauer – genau so wie unser Junior.
Sicherlich ist dieses Teilprojekt für die meisten der
Interessierten das, auf welches sie am meisten gewartet haben,
doch bevor ich auch hier weiter ins Detail gehe, möchte
ich erst noch ein paar einleitende Worte los werden zu dem
was kommt und was passiert und passieren kann.
In diesem Teilprojekt wird der Junior mit einer weiteren Verstärkerstufe
ausgestattet. Dies bringt ein gutes Stück mehr Overdrive
mit sich und ist unabhängiger von der Übersteuerung
der Endstufe, aber es steigert auch die Gesamtlautstärke
um ein gutes Stück – weit über die ursprüngliche
Zimmerlautstärke hinaus. Der Nachteil hierbei ist aber,
dass die Schaltung und der Verstärker somit an sein Limit
getrieben wird und vielleicht sogar ein Stück darüber
hinaus. Besonders der Übertrager zeigt hier erste Schwächen
und neigt zu einer höheren Verzerrung, besonders im Bass.
Bedingt Abhilfe kann durch den Austausch des Übertragers
geschaffen werden, doch hierzu später mehr. Weiterhin
wird bei Vollaussteuerung – also bei maximalen Level
– besonders bei tiefen Tönen viel Energie vom Netztrafo
gefordert und hier scheint auch das Limit des Trafos erreicht
zu werden, denn der Verstärker fängt leicht an zu
„pumpen“, was man bei den besagten tiefen Tönen
feststellen kann, wenn man weiss worauf man hören muss.
Leider liegen mir keine technischen Daten des Netztrafos vor,
weshalb ich nicht sagen kann ob die Ursache dieses Verhaltens
tatsächlich der Netztrafo selbst oder aber die Gleichrichtung
ist – ich tippe aber aus Erfahrung auf den Trafo.
Das ist jetzt erst nicht weiter schlimm, man sollte es aber
im Hinterkopf behalten. In der Praxis sieht das so aus, dass
ich bei voll aufgefahrenen Gain mit der zusätzlichen
Gainstufe den Master auf ca. ¼ - ½ stehen habe
und das ist dann schon richtig, richtig laut. Was über
½ geht ist dann auf Dauer schon zu laut – ja,
soviel Power entwickeln ein paar Watt. Der Master lässt
sich aber problemlos auf gut ¾ ausfahren bevor besagter
Pumpeffekt eintritt, was bedeutet, dass hier also immer noch
reichlich Reserve vorhanden ist. Über ¾ wird der
Sound nach meinem Geschmack dann aber schlechter, was noch
durch einen zweiten Effekt zusätzlich verstärkt
wird: die Endröhre. Diese arbeitet dann auch an ihren
Grenzen und übersteuert sehr stark und zum Teil auch
unschön, wobei ich nicht ausschliessen möchte, dass
diese dem einen oder anderen wiederum gefällt.
Grundsätzlich sollte man bedenken, dass die Endröhre
zu jedem Zeitpunkt einen sehr grossen Teil des Gesamtsounds
ausmacht, da diese bereits recht früh anfängt zu
übersteuern. Dieser Effekt verstärkt sich mit zunehmender
Leistung, weshalb der Verstärker bei jeder Lautstärke
immer etwas anders klingt. Der Vorteil hierbei ist aber, dass
selbst bei geringer Lautstärke schon ein richtig röhriger
VBS (Very-British-Sound) erreicht wird und der Powersoak auf
dem Regal bleiben kann – sprich es geht sehr stark Richtung
Marshall und das ist auch die Zielsetzung, wobei man natürlich
sagen muss, dass eine 5 Watt Single-Ended Endstufe NIE so
klingen kann wie eine Gegentakt-Endstufe die mit 2 oder 4
EL34 betrieben wird, aber man kommt doch schon recht nahe
an die Sache ran – zumindest besser als jeder Moddeling-Amp
!
Noch ein kurzes Wort zu der Combo-Version: ich kenne diese
nicht und weiss auch nicht welcher Lautsprecher dort verbaut
wurde, aber ich denke nicht, dass es sich um einen sehr hochwertigen
Kandidaten handelt. Dies kann ebenfalls einen sehr starken
Einfluss auf den Klang haben und diese Art von Lautsprechern
neigen zu sehr vielen und unschönen Höhenanteilen
wodurch sie recht kratzig klingen. Von der Leistung hoffe
ich, dass der Lautsprecher nicht zu eng ausgelegt ist, habe
aber diesbezüglich keine Bedenken, kann aber jedem empfehlen
für diese Umbauten eine Head-Ausführung des Verstärkers
zusammen mit einer eigenständigen Box zu verwenden welche
einen höherwertigen Lautsprecher beinhaltet. Ein 8“
Lautsprecher ist OK, aber 10“ wären doch schon
etwas besser. Das lohnt sich auf alle Fälle !
Doch wieder zurück zum Thema mit ein paar grundlegenden
Gedanken. Für eine weitere Verstärker-Stufe wird
eine weitere Röhre benötigt. Ein gängiger Kandidat
wäre eine 12AX7 / ECC83. Soweit so gut. Würde man
nun aber beide Triodensysteme für die Gain-Stufe verwenden,
wäre das Ergebnis mehr oder weniger eine Katastrophe,
denn diese Verstärkung wäre viel zu viel und der
ganz Verstärker würde nur noch eine instabile Einheit
bilden. Selbst mit einer 12AU7, welche im Vergleich zur 12AX7
rund 80 % weniger Verstärkung hat wäre hier noch
zuviel. Es reicht also auf alle Fälle die Verwendung
nur eines Triodensystemes der 12AX7 und das Zweite bleibt
unbeschaltet, was zwar einfach aber schaltungstechnisch nicht
so schön, da doch etwas verschwenderisch, ist. Die Lösung
des Problemes wäre die Verwendung beider Systeme, welche
dann aber nicht mit einander verschaltet sind, sondern über
einen Umschalter wahlweise angesprochen werden können.
Somit könnte man zwischen mehr oder weniger Verstärkung
und damit verschiedenen Overdrive-Stärken umschalten.
Grundsätzlich soweit in Ordnung, aber der Unterschied
zwischen „Mehr“ und „Weniger“ ist
selbst bei sehr grosser unterschiedlicher Beschaltung der
Triodensysteme in diesem Fall nicht so gross. Doch auch hier
gibt es eine Lösung in Form einer 12DW7. Diese Röhre
ist nichts anderes als eine Mischung von 12AU7 und 12AX7 wobei
ein Trioden-System die Werte einer 12AU7 hat und das Zweite
die Eigenschaften einer 12AX7 – also perfekt für
den gewünschten Anwendungszweck und vor allen Dingen
es funktioniert auch super.
Wie der erweiterte Aufbau aussieht zeigt der folgenden Schaltplan:
Wie man sehen kann wird nun das Signal vom Gain-Schleifer
auf einen 2-Pol Wechselschalter geführt mit dem dann
das Signal entweder auf die 12AU7 oder die 12AX7 Hälfte
der 12DW7 geführt wird und dann wieder zurück in
die bereits vorhandene Treibereinheit.
Die Verschaltung der 12DW7 selbst habe ich bewusst einfach
ausgelegt. Ausser einer Änderung am Kathodenkondensator
und am Koppelkondensator sind beide Stufe gleich beschaltet,
klingen aber dennoch unterschiedlich, habe aber nahezu die
gleiche „Lautstärke“, was auch wichtig ist.
Um diese Stufe zu realisieren muss ein neuer Sockel im Chassis
montiert werden, was wieder Metallbearbeitung bedeutet, aber
da führt kein Weg dran vorbei. Die Heizungsspannung lässt
sich am besten direkt auf der Platine abgreifen über
dem Kondensator C12. Hierzu muss die Platine heraus geschraubt
werden, damit man an die Unterseite kommen, von wo dann die
neuen Verbindungsleitungen angelötet werden. Die Anodenspannung
kann dann am Plus des Kondensator C8 abgegriffen werden und
erfolgt ebenfalls mit Hilfe einer Leitung die dort angelötet
wird. Die Masse selbst steht an mehreren Stellen zur Verfügung
und ist am sinnvollsten im zentralen Massepunkt oder in dessen
Nähe abzugreifen.
Wenn diese neuen Leitungen verlegt sind kann der Sockel mit
den Bauteilen bestückt werden und zwar die Widerstände
so nahe wie möglich am Sockel befestigen – besonders
die Widerstände vor den Gittern an Pin 2 und Pin 7 um
Schwingneigungen zu unterdrücken. Aus diesem Grund habe
ich das Gain-Poti auch nochmals etwas umgebaut: In der ersten
Version wurden die Widerstände R16 und R17 (siehe vorhergehenden
Plan) direkt am Poti angelötet. Diese sind nun von dort
entfernt und direkt an Pin 2 des neuen Röhrensockels
verlegt worden. Alles andere ist geblieben. Für die Befestigung
des Umschalters empfiehlt sich noch eine weitere Bohrung in
der Front des Chassis, aber wenn man die Bohrung für
den Sockel gemeistert hat, dann ist dies auch kein Problem
mehr – und das war auch schon der ganze Zauber: weiterhin
einfach aber effektiv.
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