TT66

Nach fast 8 Jahren und zahlreichen Nachbauten war es in 2011 an der Zeit, den TT66 etwas zu überarbeiten, denn obwohl der Verstärker sehr einfach aufgebaut ist, so müssen beim Nachbau dennoch einige Stolperfallen überwunden werden.

Primäre Ausrichtung bei der 2. Version des TT66 war die Entschärfung dieser Stolperfallen ohne dass der Klang darunter leide und da viele Nach

bauer mit erhöhten "Brumm" ihre Probleme hatten lag das Hauptaugenmerk der Überarbeitung erst einmal bei der Gleichrichtung. SE Endstufen sind gegen Brumm weit aus anfälliger als PP Endstufen. Daher wurde die Spannungsversorgung bzw. die Siebung verbessert und standardmäßig mit einer Drossel ausgestattet und das mit vollem Erfolg: das Brumm-Problem wurde komplett eliminiert.

Eine weitere Änderung ist der Aufbau auf Platine. Zugegeben, nicht ganz authentisch für einen sehr nach Vintage ausgerichteten Verstärker aber dadurch wird die Nachbausicherheit um ein Vielfaches erhöht.
Ob Point-To-Point oder PCB hat für den Klang hierbei keine Auswirkung und ist oftmals mehr eine Frage des Geschmackes und die Vorteile der Platine überwiegen in diesem Fall der klassischen Methode aber dennoch hat eine Platine auch ihre Nachteile. Es zeigt sich oft, dass bei auf der Platine montierten Röhrensockel feine Haarrisse entstehen, welche dann zu Betriebsstörungen oder gar dem kompletten Ausfall des Verstärkers führen. Daher wurden die Sockel beim TT66 auch nicht auf Platine gesetzt sondern sind am Chassis montiert.

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Eine weitere Änderung gab es bei der Gegenkopplung. Diese wurde in der MKII komplett entfernt. Warum ? Nun ja, man hat den Eindruck, dass ohne Gegenkopplung die Endstufe noch ein weniger freier und offener arbeitet.
Wer aber dennoch eine Gegenkopplung haben möchte, der soll diese auch bekommen. Die Platine ist zumindest dafür ausgelegt.

Und zu guter letzt gab es noch eine Änderung bei den Kondensatoren in der Klangstellung. Während in der ersten Version des TT66 die Orange Drops als Standard zum Einsatz gekommen sind, so sind es in der MKII die Mallorys. Obwohl man denken sollte, dass ein 0,022µF Kondensator immer gleich klingt so wir man in der Praxis feststellen, dass dies nicht der Fall ist. Die Orange Drops klingen im Vergleich zu den Mallorys etwas bedeckter, weshalb diese nun den Mallorys, welche viel offener und frischer klingen, weichen mussten.
Wer aber dennoch lieber die Orang Dorps oder auch andere Kondensatoren einsetzen möchte, weil ihm die Mallorys zu "brillant" sind, der darf das selbstverständlich tun. Die Platine hat ausreichend Platz hierfür.

Ansonsten ist alles wie bei der 1. Version geblieben. Auch wurde nicht an den Bauteilen gespart, die bei solch einfachen Verstärkern mit sehr direktem Signalweg einen enormen Einfluss am Klang haben.

Anmerkung für den Nachbau

Der Verstärker ist zwar einfach aber dennoch kein Erstlings-Projekt. Es sollten auf alle Fälle Kenntnisse über die grundsätzliche Funktion der Bauteile vorhanden sein, dem Lesen von Schaltplänen sowie dem Umgang von hohen Spannungen. Weiterhin ist es sehr ratsam zu wissen wie ein Schutzleiter angeschlossen wird und wie richtig gemessen und geprüft wird. Alles andere kann, muss aber nicht zum Erfolg führen.
Die im Plan eingezeichneten Spannungen wurden bei 235 V Netzspannung, mit 8 Ohm Last und ohne Signal gemessen. Diese können je nach Bauteilwerte und Netzspannung leicht abweichen.

Röhren

Obwohl der TT66 für die Verwendung von KT66 ausgelegt ist, wird er in der Regel auch mit 6L6, 5881 aber auch 6CA7 und EL34 Röhren problemlos funktionieren. Wichtig bei den EL34 und Co ist das Pin 1 mit Pin 8 Verbunden ist, also Pin 1 ebenfalls auf Masse gelegt wird.
Für die Verwendung von 6V6 Röhren muss der Kathodenwiderstand vergrössert werden auf einen Gesamtwert von ca. 470 Ohm, andernfalls dürfte die 6V6 zu Schaden kommen.

Gegenkopplung

Wie schon erwähnt ist die Verwendung der Gegenkopplung kein Muss, ganz im Gegenteil. Wer dieser aber dennoch verwenden möchte kann dies auf zwei Arten machen.
a) ohne Poti: hierfür muss vom 4 Ohm Abgriff des Übertragers eine Verbindung Widerstand R-FNB gemacht werden und der Widerstand R-FNB muss bestückt werden. Hier ist ein Wert von 2,7 k als recht brauchbar anzunehmen.
b) mit Poti auch Presence-Potis genannt: in diesem Fall ist die Verbindung vom 4 Ohm Abgriff zu dem Punkt PRS auf der Platine einzubauen, ein Poti mit einem Wert von 5k lin (Poti-Position "Pres" auf der Platine) sowie der Widerstand R-FNB mit gut 1k Ohm zu bestücken.

Klangstellung

Die Klangstellung / Tone-Stack entspricht einem klassischen Fender-Tone-Stack wie z.B. im Modell 6G6-A zu finden (Normal-Channel), wobei das Mid-Poti durch einen Festwiderstand erstetzt ist.
Die Klangstellungen sind immer ein beliebter Ansatzpunkt für Modifikationen und das ist auch hier der Fall. Der TT66 zeichnet sich in der hier gezeigten Version durch einen höhenreichen, sehr deutlich fenderisch geprägten Klang aus und harmoniert mit Strats & Co hervorragend. Aber es geht auch anders.
Möchte man eine Klangregelung bei der mehr die Mitten stärker betont werden, so kann man sich an klassischen Tone-Stacks orientieren wie sie in vielen Marshalls zu finden sind.

Aber es geht noch ganz anders - für Bass. Natürlich ist der TT66 nichts für Hochleistungs-Slap-Bass aber einen ordentlichen Bass-Sound für zu Hause oder im Studio ist durchaus möglich.Für diesen Anwendungszweck könnte man auf diese Bauteilwerte zurück greifen:
C2: 390 pF
C3: 0,1 µF
C4; 0,1 µF
R6: 8,2 kOhm

Empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang auch eine Simulation mittels Spice oder dem Duncan Tonestack Calculator, mit dem sich verschiedene Bauteilwerte schnell und ohne grossen Aufwand simulieren lassen.

Das war's erst einmal und nun viel Spass beim Nachbau.

Bilder


PS: Bausatz, Bauteile und Chassis gibt es natürlich im SHOP

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