Vanilla Overdrive 60

Ursprünglich war geplant, den Vanilla Overdrive nicht mehr weiter zu entwickeln bzw. auslaufen zu lassen, da die Beschaffung verschiedener Bauteile immer problematischer und teurer wurde - Beispiel AC/AC Netzadapter - und der Betrieb von Röhren mit nur 12 V Anodenspannung gewissen Einschränkungen mit sich bringt und die Möglichkeiten die man noralerweise mit Röhren hat, dadurch stark limitiert wurden. Ferner ging das Interesse an den LoV-Bausätzen in den letzten Jahren immer weiter zurück, bedingt durch die hinzu gekommenden LoW Bausätze. Aber dann kam es doch anders als geplant.

Bedingt durch den Corona-Lockdown stieg das Interesse und die Nachfrage an dem Vanilla wieder deutlich, weshalb wir doch nochmal die Köpfe zusammen gesteckt haben um eine praktikable Lösung der Probleme zu finden. Und diese Lösung ist am Ende eigentlich ganz einfach: Erhöhung der Anodenspannung auf 60 V mittels einer modifizierten VPump. Damit werden eigentlich alle Beschaffungs- und Soundprobleme gelöst. Die VPump wird mittels einfachen 12V DC Steckernetzteil betrieben welches es überall preiswert zu erwerben gibt und sicherlich auch schon in vielen Schubladen liegt. Die Anodenspannung von 60 V bieten deutliche mehr Freiheiten bezüglich Röhrentyp und Hersteller (von 5751 über 12AY7 bis 12AX7 geht jetzt alles) und mit 60V bewegt man sich immer noch innerhalb eines unkritischen Spannungsbereiches, womit die LoV-Bausätze weiterhin auch für Anfänger geeignet sind - zumindest was die Spannungen betrifft. Durch die höheren Spannungen sind viel mehr Schaltungsmöglichkeiten problemlos umsetzbar ohne dass mittels Transistor oder OPs nachgeholfen werden muss. Und zu guter Letzt es lässt sich alles ohne größeren Aufwand auf der vorhandenen LoW-Plattform umsetzen.

Selbstverständlich waren ein paar Anpassungen am Chassis notwendig welches jetzt für die Verwendung der VPump60 ausgelegt ist und auch die Schaltung muss angepasst, aber nicht komplett neu entworfen werden. Zudem haben wir uns entschlossen, die LoW-Bausätze zukünftig auf PCB aus zu legen, da dies die Nach- und Aufbausicherheit - nicht nur für Anfänger - nochmals deutlich steigert.

Anwendung

Der Vanilla Overdrive ist konzipiert um Low-Gain Verstärke mehr Leben ein zu hauchen. Dabei sollte er entweder vor dem Verstärker, also zwischen Gitarre und Verstärker, oder im Effekt-Weg eingesetzt werden. Der VO60 ist NICHT gedacht um Higain-Amps noch higainer zu machen. Dies funktioniert in der Regel nicht wirklich gut, auch nicht mit anderen Overdrive-Pedalen. Der VO60 ist zudem auch kein fertiger Verstärker an den eine Lautsprecherbox oder DI-Box direkt angeschlossen werden kann. Wenn man dies möchte so wird zumindest eine kleine Endstufe benötigt.

Röhren

  • 12AT7 / ECC81 - Standard
  • 12AX7 / ECC83 - erfolgreich getestet, mehr Gain
  • 12AY7 - erfolgreich getestet
  • 5751 - erfolgreich getestet

Schaltung

Die Grundschaltung hat sich seit der ersten Version des VO nicht wesentlich geändert. Die Hauptänderungen beim Übergang von der 12V zur 60V Version sind der Wegfall der Transistorstufe sowie die Anpassung der Arbeitspunkte.

Die Schaltung besteht aus vier Stufen, wobei die letzte Stufe als Kathodenfolger die Aufgabe das Signal auch über längere Leitungswege problemlos zu übertragen. Die erste Stufe ist immer in Betrieb, auch im Bypass um einen zu krassen Unterschied zwischen "An" und "Aus" zu vermeiden. Die Klangregelung ist mehr eine Tonplende, welche zwar einfach aber dennoch effektiv arbeitet. Die Übersteuerung erfolgt dann in den beiden folgenden Stufen zwischen denen noch eine kleine "Boost-Schaltung" sitzt und sich sicherlich zu einem beliebten Punkt für Modifikationen entwickeln wird. Wenn der Boost Ausgeschaltet ist, dann reduziert der C10 den Anteil der tiefen Frequenzen deutlich. Ist der Boost hingegen eingeschaltet so wird C10 überbrückt und das Signal wir "fett". Durch Änderungen der Kondensatoren C4 und C10 lässt sich so das Verhältnis zwischen "Boost Ein" und "Boost Aus" auf sehr einfache Art abstimmen. Einfach Mal ausprobieren. Der Rest ist nicht weiter spektakuläre und am Ende kann der Ausgangspegel mittels Potentiometer eingestellt werden. Da die Gesamtverstärkung selbst bei geringer Drive-Einstellung immer noch recht hoch ist, kann damit auch das gesamte Pedal als Booster verwendet werden ohne zwangsweise stark zu übersteuern.

Schalt und Layoutpläne (DIN A4, 2 Seiten PDF)

Spannungsversorgung

Wie eingangs schon erwähnt wird der Vanilla Overdrive 60 mit einer Anodenspannung von 60 V DC betrieben, welche aus einer modifizierten VPump erzeugt wird. Für den Betrieb der VPump wird ein einfaches 12 V (Stecker)netzteil benötigt, welches rund 1 A Strom liefern sollte. Die 12 V DC Spannung aus dem Netzteil wird zudem für die Versorgung der Röhrenheizungen verwendet. Es werden keine besonderen Anforderungen an das Netzteil gestellt und auch die meisten Schaltnetzteile sollten problemlos verwendet werden können.

 Layoutplan VPump60

Aufbau

Aufgebaut wird alles auf Platine im Chassis ch038. Die benötigten Bauteile hierfür gibt es wie immer im Shop. Grundsätzlich gilt auch hier:

  • Bauteile vor dem Einbau auf richtigen Wert prüfen mittels Multimeter
  • Einbaurichtung bei Bauteilen beachten welche eine Polung haben, wie zum Beispiel Elkos
  • die Leitungen nicht zu lange lassen
  • vernünftiges Werkzeug verwenden, insbesondere was den Lötkolben betrifft. Lötpistolen sind in der Regel ungeeignet
  • auf saubere Lötstellen achten
  • sorgfältig arbeiten und erst denken, dann handeln
  • und wenn etwas nicht funktioniert, dann nicht gleich meinen, dass ein Bauteil defekt sei sondern systematisch versuchen den Fehler ein zu grenzen

Vanilla Inside...

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