Lummerland Express

Die Einstiegsdroge in die Welt der Niedrig-Watter - doch geringe Wattzahl bedeutet nicht unbedingt, dass diese Verstärker auch leise sind.

Der Lummerland-Express basiert frei auf Ken Fischer's Trainwrecks mit dem Unterschied daß in der Endstufe keine EL84 arbeiten sondern Doppeltrioden die man normalerweise eher in Vorstufen findet.

Neben der 12AU7 arbeitet der Lummerland-Express auch problemlos mit 12BH7 oder ECC99 Röhren zusammen wobei die 12AU7 bzw. 12BH7 Leistungen um die 1,5 Watt und die ECC99 Leistungen um die 3,5 Watt ermöglichen. Das hört sich sicher sehr wenig an ist es aber nicht und wird oftmals mehr als unterschätzt. So wird zum Beispiel der Schalldruck bei den (meisten) Gitarren und Basslautsprechern in 1 Meter Abstand bei einer Leistung von 1 Watt gemessen und die meisten dieser Lautsprecher erreichen hierbei Pegel von 97 oder 98 dB oder sogar noch wehr. Sicherlich nicht sehr leise.
Der Vorteil der Niedrigwatter ist, dass man die Endstufe recht problemlos sehr weit oder sogar komplett ausfahren kann ohne gleich einen Gehörsturz zu erleiden. Macht das mal mit einem 100 W Plexi...

Die Schaltung

Wie schon erwähnt stellt die Schaltung, insbesondere in der Vorstufe, eine deutliche Kopie des Trainwrecks dar mit leichten Anpassungen. So wurde in der Klangstellung auf das Mid-Poti verzichtet und dies durch einen Festwiderstand ersetzt. Weitere Anpassungen in der Klangstellung waren zudem notwendig um den Bass etwas zu reduzieren, denn davon hat der Lummerland ausreichend viel. Andere Anpassungen und Änderungen mussten zur Anpassung an die Endstufe erfolgen.
Als Ausgangsübertrager kommt ein Hammond 125B zum Einsatz der auf einen Raa von 22k angeschlossen wird und somit problemlos mit 12AU7, 12BH7 und ECC99 Röhren zusammen arbeitet, auch wenn es je nach Röhrentyp zu einer gewissen Fehlanpassung kommt, die aber nicht weiter ins Gewicht fällt.
Anders als bei seinem Kollegen FireFly, bei dem eine Self-Split Endstufe verwendet wird, wird beim Lummerland die "Endröhre" durch einen Kathodyn Phaseninverter angesteuert. Ein Master in der Endstufe rundet das Gesamtkonzept ab und ermöglicht volle Übersteuerung der Vorstufe bei geringer Ausgangsleistung. Die Trainwreck-Anhänger könnten sich daran etwas stören, da das Vorbild auch keinen Master hat. Aber wer keinen haben will kann ihn auch weg lassen.

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Wer jetzt die Spanungsversorgung auf dem Schaltplan sucht, der sucht vergebens denn es gibt keine - zumindest nicht im Schaltplan. Für die Spanungsversorgung kommt unsere kleine Standard Spannungsversorgung aus dem Shop zum Einsatz welche eine mehr als ausreichend gute Versorgungsspannung bei sehr geringem Platzbedarf liefert. Was soll man also das Rad jedesmal neu erfinden ?
Die Spannungsanschlüsse B2 und B3 im Schaltplan beziehen sich daher selbstredend auf die Ausgänge der Spannungsversorgung.
Als Chassis kommt das speziell für diese Art von Verstärkern konzipierte Mini-Chassis in Frage - sofern man die Metallbearbeitung nicht selbst durchführen möchte. Die Bauteile selbst sind Standard. Der Aufbau erfolgt in einer Art Point-to-Point wobei wir hierbei auf das Mini-Trägerboard setzen, dass auch schon bei den LoV-Projekten verwendung findet. Es ist ausreichend gross die Vielzahl an Bauteilen in einer geordneten Form aufzunehmen, aber dennoch ausreichend klein, sodass der ganze Verstärker am Ende sehr kompakt ist.

Und der Sound ?

Zum Schluss noch die Mutter aller Verstärker-Fragen: wie klingt denn der Lummerland-Express ? Gut ;-)
Klang ist schwer zu beschreiben, subjektiv und durch zahlreiche Faktoren geprägt, weshalb es immer schwer ist den Klangeindruck in Worte zu fassen. Der Lummerland-Express ist kein Bassman-Ultralinear-Clean-Amp. Das kann er definitiv überhaupt nicht und das war auch nicht Zielsetzung bei diesem Verstärker. Auch wenn er sehr gut auf das Volumen-Poti der Gitarre reagiert und sich doch recht Clean fahren lässt so ist immer ein Gewisser Anteil an Übersteuerung dabei. Richtige Spielfreude kommt aber erst auf wenn Gain ganz rechts steht, der Master dicht dahinter folgt und eine Gitarre mit dicken Humbuckern verwendet wird. Fettes Brett von Rock bis 80s Metal, aber kein moderner Schwermetalsound. Dennoch ist der Sound straff und die Bässe klar. Fülle ist reichlich vorhanden und der Bass-Poti wird je nach Gitarre und Box oftmals eher nach links als nach rechts gedreht werden müssen. Alles im allen ein Rocker mit wenig PS bzw. Watt.

Bauteile

Einen Satz mit Bauteilen, das passende Chassis (welches auch für andere Projekte dieser Art bestens geeignet ist) sowie Blenden gibt es im Shop.

Mods

Für manche Leute klingt der Lummerland zu mittig und etwas undefiniert im Bass, insbesondere wenn noch ein dunkler Lautsprecher zum Einsatz kommt. Abhilfe schafft die Änderung dieser Bauteile.

R6: 6,8 kOhm

C5: 1 nF

Media

Soundsample 1 @ YouTube

Soundsample 2 @ YouTube

Warnung !

Vorsicht beim Nachbau. Auch wenn dieser Verstärker nicht viel Leistung hat so arbeitet er dennoch mit Spannungen die Gefahr für Haut und Haar darstellen können, weshalb sich dieser Verstärker NICHT als Anfängerprojekt eignet !
Das Lesen und Verstehen von Schaltplänen, der Umgang mit Meßgeräten sowie grundlegenden Erfahrungen mit Spannungen über 60 V sollten als Voraussetzung für den erfolgreichen Auf- und Nachbau vorhanden sein.

Bilder...

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